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Comrades in Dreams - Leinwandfieber
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Auf der ganzen Welt fand Regisseur Uli Gaulke filmbegeisterte Einzelkämpfer, die der Faszination des Kinos erlegen sind und es zu ihrem Lebensmittelpunkt gemacht haben.
In Indien etwa ist das Kino mobil. Dort ist ANUP gleich mit drei Lastwagen unterwegs. Die Hälfte des Jahres fährt er mit seinem Tross durch den Bundesstaat Maharashtra, und wo immer der Mittzwanziger auftaucht, ist die Aufregung groß. Denn im Gepäck hat Anup etwas ganz Besonderes: sein Zeltkino. Von Dorf zu Dorf ziehen der junge Mann und seine Truppe mit tonnenweise Eisenstangen, Zeltplanen und Tauen. So sorgen sie mit pathetischen Rührstücken aus Bollywood überall für Begeisterung. Zu hunderten stehen die Dorfbewohner vor Anups Zelt, und fast immer kann er abends das „Ausverkauft“-Schild an den Einlass hängen.
Der Traum eines so manchen Kinobesitzers hierzulande...!
Eine weitere Station des Films ist die Hauptstadt Pyongyang. Han Yong-Sil fährt sehr weit hierher, um die Filme zu organisieren, die dem Volk nach der Arbeit zur Erbauung dienen sollen. Doch natürlich ist Film im Lande Kim Jong Ils mindestens so sehr Propaganda wie Vergnügen, und wenn die Abteilungsleiterin von Problemen mit der Bewässerungsanlage berichtet, versteht es sich von selbst, dass bald ein Film über selbige auf dem Programm steht. Als junges Mädchen ist Han Yong-Sil oft im Kino gewesen, und es war ihr Traum, selbst einmal als Schauspielerin vor der Kamera zu stehen. Stattdessen wurde sie dann Ehefrau und Mutter und eben Genossin Filmvorführerin. Mit etwas gutem Willen gelingt es ihr sogar, Parallelen zu finden zwischen dem eigenen Gatten und den Filmhelden, die sie für ihre Genossen über die Leinwand flimmern lässt. Doch im Ernstfall, daran lässt Han Yong- Sil keinen Zweifel, sind ihr Filme als Weggefährten eigentlich wichtiger als jeder Mann.
Und auch in Burkina Faso spielt das Kino im Ehe-Alltag eine wichtige Rolle, was vor allem daran liegt, dass LASSANE, LUC und ZAKARIA viel mehr Zeit mit ihrem kleinen Kino in der Hauptstadt Ouagadougou verbringen als mit den Familien zu Hause. Es gibt aber auch wirklich viel zu tun: auf drei Mofas holen sie die Filmrollen ab, im örtlichen Radiosender muss ein bisschen Werbung gemacht werden, und selbst abends, kurz vor Vorführungsbeginn, versuchen die Freunde noch, potentielle Zuschauer aus der Nachbarschaft ins Kino zu locken.
PENNY in Big Piney im US-Bundesstaat Wyoming dagegen ist längst einen Schritt weiter. Von ihrem Bruder und dessen Sohn hat sie „The Flick“ übernommen, ein Kino, das von außen wie eine große Scheune aussieht, aber innen sogar mit einer Popcorn-Maschine aufwarten kann. Für ein Städtchen, das außer endlosen Straßen und riesigen Wohnwagensiedlungen nichts zu bieten hat, ist das beachtlich, und wer in Big Piney am Wochenende ein Date hat, sitzt mit Sicherheit früher oder später in Pennys Kino.
Doch ganz gleich, ob es um Oscar prämierte Welterfolge geht oder um koreanisches Propaganda-Kino, um kitschige Musicals aus Bollywood oder einen drittklassigen Thriller mit Kim Basinger: Penny und Anup, Han Yong-Sil sowie Lassane, Luc und Zakaria sprechen die gleiche Sprache. Es ist die Weltsprache des Kinos, die in Asien ebenso gesprochen wird wie in Afrika – und im Rest der Welt.
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