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Erde und Asche
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Kurzinhalt:

Ein alter Mann und sein fünfjähriger Enkel warten an einer staubigen Kreuzung irgendwo in der menschenleeren Weite Afghanistans auf eine Mitfahrgelegenheit. Hinter ihnen liegt das Grauen, die Bombardierung ihres Dorfes, bei der die übrige Familie ums Leben kam - mit Ausnahme des Vaters, der nicht im Dorf war, weil er im Kohlebergbau arbeitet. Ihn wollen Großvater und Enkel jetzt in der Mine besuchen, um ihm die Todesnachricht zu überbringen.

Im bewegenden Schicksal einer Familie werden die Schrecken des Krieges beschworen, aber auch - zuweilen mit einem sehr grimmigem Humor - die Solidarität und der Überlebenswille der Opfer.
Beschreibung:

Auf der offenen Ladefläche eines Lastwagens erreichen Dastaguir und sein kleiner Enkelsohn eine Strassenkreuzug, die jenseits einer von Einschüssen beschädigten Brücke liegt, die über ein ausgetrocknetes Flussbett führt. In dieser kargen, wüstenartigen Landschaft stehen nur zwei kleine Häuser: Direkt am Straßenrand ein Geschäft, dessen Auslagen vor dem Haus ausgebreitet sind und das von einem Händler bewohnt wird, den der Krieg aus Kabul hierher verschlagen hat; dann ein kleines Wachhaus, bei dem sich ein Schlagbaum findet, der von einem überaus mürrischen Wächter geöffnet wird, sobald – was allerdings nur selten geschieht – ein LKW den Weg in die Kohlenmine nehmen möchte. Und dann liegt da noch ein ausgebrannter Panzer, in dessen Schatten sich eine – offenbar verwirrte – Burka-tragende Frau mit ihrer Tochter niedergelassen hat.

Dastaguir möchte mit seinem Enkel Yassin schnell weiter zur Mine, wo sein Sohn Murad arbeitet. Aber heute, so erfährt er vom Wächter, wird kein Laster mehr kommen. Dies ist Dastaguir auch nicht ganz unrecht, ist es doch eine schreckliche Nachricht, die er seinem dort arbeitenden Sohn zu überbringen hat: Bei einem Angriff auf ihr Dorf hat nur er mit seinem Enkelkind überlebt. Die Mutter des Jungen, seine Frau und andere Verwandte sind alle ums Leben gekommen. Und weil ihm sein Ehrgefühl sagt, dass es für einen Afghanen leichter sei, selbst zu sterben, als den Tod seiner unumittelbaren Angehörigen ertragen zu müssen, sorgt sich Dastaguir, sein Sohn werde sich rächen wollen und so auch in den Kreislauf der Gewalt geraten, der in diesem vom Krieg geschlagenen Land kein Ende nehmen will. – „Entweder Du hast das Messer in der Hand oder an der Kehle“, so formuliert ein festgenommener Soldat, der mit seinen Bewachern zu den Wartenden stösst, dieses Dilemma. Der Gefangene, der an der Kreuzung einem anderen Trupp von Soldaten übergeben wird, hat seinen Offizier getötet als dieser einen Angriff auf sein Heimatdorf befohlen hatte.

Im Verlauf des weiteren Wartens wird Dastaguir auch vom Händler und dem Wächter erfahren, wie der Krieg sie aus der Bahn geworfen und an diesen verlassenen Ort gespült hat.

Und als wäre sein Leid nicht schon unerträglich genug, wird er im Heimatdorf seiner Schwiegereltern eine weitere Schreckensnachricht erfahren. Als er das Dorf nach einem langen Fußmarsch erreicht, liegt auch dieses in Trümmern. Von der Familie seiner Schwiegertochter hat nur der alte Vater den Angriff überlebt. Aus Rücksicht auf das Leid der anderen verschweigt Dastaguir den Tod seiner Schwiegertochter und lässt sich von deren Vater das Versprechen abnehmen, ihr – die doch gar nicht mehr lebt – nicht von den vielen Toten in ihrer Familie zu berichten.

Der kleine Yassin, der in all diesem Chaos zunächst einen ganz fröhlichen und unbeschwerten Eindruck macht, hat – so erfährt der Zuschauer bald – bei dem Angriff sein Gehör verloren. Dies hat er aber noch immer nicht ganz verstanden, geht er, der unentwegt plappert aber niemanden mehr hört, doch davon aus, alle anderen hätten ihre Stimmen verloren. Und so sucht er diese verlorenen Stimmen in dem leeren Panzer, weil er doch weiß dass dieser Verlust bei dem militärischen Angriff geschah.

Und für Dastaguir scheinen die Umstände des Todes seiner Angehörigen noch schlimmer zu sein, als der Tod selbst. Hat er doch mitansehen müssen, wie seine Schwiegertochter während des Angriffs nackt aus dem Hamman geflohen ist und so ihre Ehre verloren und auch die übrige Familie entehrt hat. Angesichts der Trauer, die ihn zu überwältigen droht, und der Einsamkeit, vor der ihn nur die Verantwortung für den Enkel schützt, scheint es keinen Ausweg mehr zu geben.

Und doch sind es dann die Geschichten der verschiedenen Leidensgefährten, die ihm weiterhelfen und die Energie geben, seinen Sohn Murad aufzusuchen. Die Dankbarkeit des gefangenen Soldaten für eine kleine Geste der Hilfe, die Lebensgeschichte, die ihm der Händler anvertraut und die Erklärungen des LKW-Fahrers, der ihn schließlich mit zu der Mine nimmt, lassen Dastaguir erkennen, dass es noch größeres Leid gibt, als das seinige. Und so wie er sich während der Fahrt vom Trauma der Schande befreit, so weiß er dann auch, dass er – wie der Vater seiner Schwiegertochter – nichts Falsches tut, wenn er seinen Sohn zumindest im jetzigen Moment, nicht mit der ganzen Wucht seines Schicksals konfrontiert.

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