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Für den unbekannten Hund
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Bastian hat einen Menschen getötet, einen Stadtstreicher. Ohne Grund und ohne Reue. Da ist Bastian gerade zwanzig und Betonbauergeselle. Der Mord bleibt unentdeckt und ungesühnt. Die Erpressung des einzigen Zeugen der Tat zwingt Bastian zur Flucht. Mehr aus Bequemlichkeit denn aus bewusster Entscheidung schliesst er sich einer Gruppe reisender Handwerksgesellen an. Die Erfahrungen auf der Wanderschaft und die Freundschaft zum wildesten der Gesellen, dem Steinmetz Festus, treiben erste Risse in Bastians Seelen-Beton. Als Bastian erfährt, dass Festus der beste Freund seines Opfers war, wird aus dem verdrängten Mord der Wendepunkt seines jungen Lebens.

Ein Mord geschieht, fast beiläufig, fast alltäglich: Ein junger Stadtstreicher wird erschlagen. Nachts, an einer Tankstelle in Mecklenburg. Der Mord bleibt ohne Strafe, ohne Reue, ohne Sühne. Ein Unfall wird die Polizei vermuten, wahrscheinlich verbrannt der „Penner“ beim Benzin-Diebstahl. Ein mächtiges Eisentor öffnet sich: Nach acht verlorenen Monaten Leben wird BASTIAN aus dem Gefängnis entlassen. Zurück in den Alltag, zurück zu seiner Freundin Nadine, zurück in seinen Beruf. Betonbauer ist Bastian, seit zwei Jahren ausgelernt. Zurück auch zu seinem Kumpel MAIK, dem Kneipenkumpan und Erpresser.

Wegen ihm hat Bastian im Knast gesessen die acht langen Monate. Geld musste ihm Bastian besorgen. Viel Geld. Maik darf das, er hat einen guten Grund: Er war dabei, als der Penner erschlagen wurde. Er ist der einzige Zeuge. Da hat Bastian einen Bankautomaten geknackt und sich erwischen lassen. Nach der Entlassung fängt Maik wieder an und fordert sein Schweigegeld. Aber Bastian will nicht mehr zahlen. Bastian packt sein Messer ein, fährt zu Maiks Stammkneipe im alten Kulturhaus in Wismar und wartet auf dem Herren-Klo, bis Maik kommt und Bastian mit seinem albernen Messer die Sache beenden kann, endgültig. Doch es kommt nicht Maik: Junge Männer, die von Zunft und Handwerk, von „Tippelei“ und „Scheniegelei“ reden. Eine Gruppe Wandergesellen. Diese Jungs mit den wunderlichen Riesen-Hüten und schwarzen Breitcord-Klamotten, die man manchmal am Bahnhof oder an der Raststätte trifft. Ziemlich betrunken sind sie und einer von ihnen, SAMARIT muss sich erbrechen und knallt Bastian im Vollrausch die Klotür vor den Bauch. Bastians Messer trifft seine eigene Brust. Erst auf einem Gesellentreffen im Heizkraftwerk des Kulturhauses wacht Bastian wieder auf. Samarit und sein „Reisekamerad“, der Steinmetzgeselle FESTUS, haben ihm das Messer zwischen den Rippen herausgezogen und Bastian damit vielleicht das Leben gerettet. So etwas verbindet. Bastian erfährt von ihnen mehr über das zünftige Wandern: Ein Bauhandwerker muss man sein und auf der Straße wird man leben, drei Jahre und einen Tag, niemals näher als fünfzig Kilometer an die alte Heimat heran. Den Heimatort nicht mehr betreten dürfen: Bastian erkennt die Möglichkeit zur Flucht vor Maik und der Erpressung. Bastian bettelt um Aufnahme, aber Festus will nicht.

Nur sechs Wochen zur Probe darf Bastian mit auf „Tippelei“, dann soll die Gesellenbruderschaft entscheiden, ob er bei ihnen bleiben darf oder nicht. Der Steinmetzgeselle Samarit wird ihn begleiten in diesen 60 Tagen Probe-Wanderschaft. Aber Bastian macht das „Tippeln“ keinen Spass. Das Leben auf der Strasse, der Verzicht auf Handy, Internet und die Bequemlichkeiten der Zivilisation sind ein hoher Preis für die neu gewonnene Freiheit. Auf der ersten gemeinsamen Baustelle, dem Wiederaufbau einer Kirchenruine, versagt Bastian kläglich: Samarit stürzt vom Dach und verletzt sich schwer. Bastian hat nicht aufgepasst. Jetzt ist es aus mit der Wanderschaft. Samarits Kumpel Festus sagt es ihm, hart und klar. Bastian ist verzweifelt. Zurück nach Hause, zu Maik, das geht nicht. In seiner Not fragt er Festus nach seiner eigenen Wanderzeit, ob er nie Fehler gemacht hätte, damals, ganz am Anfang. Doch, das hat Festus. Einen großen Fehler mit grausamen Konsequenzen. Von seinem Freund und Reisekollegen, dem anarchischem, lustvoll-schmuddeligen SCHMIEGE hat er sich im Streit getrennt. Wenig später ist er gestorben, der Schmiege. Ein Unfall, stand im Polizeibericht. Festus fühlt sich schuldig. Er gibt Bastian eine zweite Chance. Jetzt wird die Wanderschaft zur echten Herausforderung für Bastian. Er will sich bewähren und sammelt Erfahrungen: Mit INKE, der verwegenen Kluftschneiderin, mit zugedröhnten Metalfans, bulligen Bikern und braven Bürgern und mit der Rockerbraut LEILA, Festus großer, unerfüllter Liebe. Innerlich und äußerlich verändert sich Bastian. Er wird Schmiege ähnlich. Fast scheint es, als solle Schmiege für Festus wiederauferstehen. Sogar Schmieges Gesellenlieder bringt Festus ihm bei.

Ein Lied kennt Bastian, er selbst hat es schon einmal gehört, gepfiffen von einem „Penner“, damals an der Tankstelle bei Wismar. Jetzt wird ihm klar, wen er erschlagen hat: Schmiege. Sein Ebenbild und Festus´ besten Freund. Bastian zieht die Konsequenz: Er legt die Kluft ab und beichtet Festus schriftlich, dass er es war, der seinen Freund Schmiege getötet hat. Dann flüchtet er. Ein zweites mal. Und kehrt doch zurück, stellt sich Festus Trauer und Zorn. „Mich, mich musst du umbringen“, sagt Bastian. Aber Festus überspringt seine eigene Grenze und die Regeln der Wanderschaft: Er verzeiht Bastian. Und er kämpft um Bastians Aufnahme in die Gesellenbruderschaft. Das Gesellentreffen wird zum Desaster. Samarit hat herausbekommen, dass Bastian wegen der Geldautomaten-Sache vorbestraft ist. Ein Vorbestrafter wird kein Wandergeselle. Das ist Gesetz. Bastians Aufnahme wird abgelehnt. Es wird ein knapper Abschied.

Enttäuscht hört Festus auf mit der Wanderschaft. Doch Bastian tippelt weiter. Allein. Er stellt sich seiner Schuld: Bastian setzt Schmieges Wanderschaft fort.

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