Die Bedrohung ist überall. Jeder Tag kann zu einem schicksalhaften Moment werden. Und trotzdem möchten sie genießen, will Lulu sich verlieben, Yali ausgelassen feiern und Noam das Leben locker angehen. Ihre WG ist im hippsten Viertel von Tel Aviv, sie kennen die angesagten Clubs der Stadt und erobern die begehrtesten Männer. So einen wie Ashraf, einen schüchternen Palästinenser, in den sich der junge Reservesoldat Noam Hals über Kopf verliebt. Schnell wird er in die Clique aufgenommen, und zu viert erobern sie jetzt die Szene, organisieren einen Rave gegen die Besatzungspolitik Israels und möchten eigentlich nur ein Stück Normalität leben. Doch so einfach wird es nicht weitergehen. Nicht in einer Stadt, die ihren Frieden in einem Vakuum, der sogenannten „Bubble“, lebt, und auch nicht mit einer Liebe, die keine Grenzen zu kennen scheint.
Flirrende Hitze liegt über dem steinigen Niemandsland. Zwei Menschengruppen stehen sich keine zehn Meter entfernt gegenüber. Und doch trennen sie Welten. Auf der einen Seite schwer bewaffnete Israelis, auf der anderen Seite verängstigte und zugleich misstrauisch schauende Palästinenser. Ein Grenzübergang in der West Bank, Naher Osten. Stundenlang müssen die Grenzgänger in der Hitze stehen, Kontrollen über sich ergehen lassen. Eine junge, hochschwangere Frau wird fast ohnmächtig; sie bricht zusammen, jemand muss ihr helfen, sie schreit unter großen Schmerzen. Noam, der junge Reservesoldat, der am Wochenende seinen Dienst für die israelische Armee leistet, reagiert als erster. Auf der anderen Seite ist es Ashraf, der junge Palästinenser, der der Frau beisteht. In ihrer Hilflosigkeit schauen sich die beiden Männer an und es wird ein kurzer Blick sein, der sie noch lange verfolgen wird. Zurück in Tel Aviv wird Noam in seiner WG schon sehnsüchtig erwartet. Lulu, die manchmal etwas aufgekratzte Verkäuferin und Yali, der Café Besitzer sind seine Mitbewohner. Unbeschwert, ausgelassen, immer auf dem Sprung zur nächsten Party, immer kurz vor einer neuen, aufregenden Bekanntschaft. Sie verkörpern die junge israelische Generation, die sich nicht damit abfinden will, dass sie in einer Stadt lebt, die von Feinden umgeben ist, so wie es ihnen ihre Eltern vorgelebt haben. Ihre Lebenseinstellung ist eine andere. Sie möchten trotz, oder gerade wegen, der ständigen Bedrohung in Tel Aviv ungezwungen ihr Leben bestimmen, sie möchten auf eine eher unpolitische Art zu mehr Gemeinsamkeit auffordern. Lulu steckt mitten in den Vorbereitungen für den „Rave against occupation“, eine Friedensparty am Strand, Yali erzählt von den neuen Kellnern, die sich in seinem Café vorgestellt haben, es herrscht Trubel und hektische Betriebsamkeit. Plötzlich steht Ashraf, der schüchterne Palästinenser, vor der Tür. In dem ganzen Durcheinander des Grenzzwischenfalls hatte Noam seinen Ausweis verloren und den hält Ashraf nun in der Hand. Zwischen beiden entsteht ein Moment der Stille. Eine unausgesprochene Zugehörigkeit. Aber kann das gut gehen? Können Israelis und Palästinenser zusammen friedlich leben, zudem noch zwei Homosexuelle? Tel Aviv ist eine Stadt der Gegensätze. Einerseits die tägliche, unberechenbare Bedrohung, andererseits ein wachsender Drang nach Normalität, nach einem Leben, das die Angst bewusst ausklammern will. Aus der Affäre entwickelt sich eine tiefe Verbundenheit. Das liberale Leben von Yali, Lulu und Noam, diese ungebremste Lebensfreude bekommt Ashraf schnell zu spüren. Mit offenen Armen wird er in der WG aufgenommen, sein Outfit ein wenig angeglichen und er arbeitet fortan illegal und quasi als Israeli „getarnt“ als Kellner in Yalis Café. Vielleicht ist die Liebe zu Noam ein Symbol für Frieden und gegenseitiges Verständnis, vielleicht ist ein friedliches Zusammenleben ohne Attentate und Anschläge möglich, aber auch Ashraf hat seine Wurzeln, seine Erinnerungen, sein Leben... und seine Sehnsucht. Und während die anderen sich in neuen Affären verlieren, jedes kulturelle Highlight mitnehmen und Party das oberste Ziel zu sein scheint, sehnt er sich nach seiner Heimatstadt Nablus, nach seiner Familie und seiner Schwester, die er zu ihrer Hochzeit sehen will und vielleicht auch ein wenig nach Tradition.Ein nächtliches Gespräch zwischen Yali und Noam, das Ashraf eher zufällig mithört, und in dem es um die Zukunft zwischen Israelis und Palästinensern geht lässt ihn unversehens und ohne Ankündigung nach Nablus zurückkehren. Seine Liebe zu Noam bleibt davon unberührt, aber eine unbestimmte Sehnsucht treibt ihn zurück zu seiner Familie. War doch vielleicht alles eine Utopie, war die politische Wirklichkeit und die emotionale Bindung zu Noam vielleicht doch nur eine Einbildung? Nicht nur Ashraf denkt so. Lethargisch und ohne Antrieb verbringt Noam von nun an seine Tage. Die politische Wirklichkeit holt ihn ein. Kulturelle Unterschiede, politische Machtspiele – das alles soll seinen Alltag, sein privates Leben, seine Liebe zu Ashraf bestimmen? Es sind zwei Völker, in denen sie sich bewegen. Sie sind zwei Liebende, die zueinander stehen wollen. Aber es ist eine Grenze, die beide anscheinend nicht überwinden können. Vielleicht hilft der „Rave against occupation“, dieser moderne Friedensprotest am Strand, möglich auch, dass Lulu und Noam, als Reporter getarnt, Kontakt zu Ashraf aufnehmen können, um ihm zu zeigen, dass neben kulturellem Zwang und Tradition auch ein anderes Leben und eine andere Liebe möglich sind, aber eins bleibt: Die permanente Angst und die ungewisse „Gewissheit“, dass jeder Tag zu einem Schicksalstag werden kann.
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